Interview mit Walter

Die Winterpause ist vorbei und somit auch der Winterschlaf der SCM Redaktion. Startschuss in die Rückrunde!!

Lunge: Walter, der SCM hat sich kurz vor der Winterpause von seinem Trainer Timo Katzenberger verabschieden müssen, der nach der Niederlage in Gnodstadt völlig überraschend von seinem Traineramt zurückgetreten war. Wie hast du diese Botschaft aufgenommen?

Walter: Ich war wie alle anderen sehr überrascht. Wie man gehört hat, war das Verhältnis zwischen Timo und der Mannschaft sehr gut und so war ich umso verwunderter, dass er ohne Rücksprache mit den Verantwortlichen zurückgetreten ist. Auch zu dem Zeitpunkt hatte wohl niemand mit dieser Konsequenz gerechnet, denn so kurz vor der Winterpause ist es wohl nicht üblich, dass ein Trainer sein Amt ablegt.

Lunge: Die Verantwortlichen des SCM haben dann in Windeseile nach einem Nachfolger für Timo gesucht und kamen mit dir über eine Übereinkunft. Alles ging ziemlich schnell von statten. Wie wurdest du in Mainsondheim von den Spielern, den Fans und dem Umfeld aufgenommen?

Walter: Es musste alles sehr schnell gehen. Die Mannschaft hat Klarheit für die Zukunft gebraucht und aufgrund der Tabellensituation waren Erfolgserlebnisse vor der Winterpause unheimlich wichtig. In Mainsondheim sind die Verantwortlichen des Vereins teilweise feste Bestandteile der ersten Mannschaft und so hat man recht schnell auch im Trainingsbetrieb zueinander gefunden.

Lunge: Der Trend zeigte vor der Winterpause ganz klar nach oben. Nach dem Achtungserfolg in Kitzingen fertigte die Mannschaft Winterhausen 4:1 ab. Jeder bescheinigt dem SCM große Qualität in der Mannschaft und dass man nicht dort unten reingehöre. Welche Schwächen gilt es zu beseitigen, dass dem SCM der Sprung aus dem Tabellenkeller gelingt?

Walter: Ich denke, dass man vor der Hinserie sowohl mannschaftsintern als auch im Umfeld zu hohe Ansprüche an die Saison hatte. Letztes Jahr ist man dem Abstieg soeben noch von der Schippe gesprungen und dieses Jahr geisterten Ansprüche wie „ganz oben mitspielen“ oder „Aufstieg“ durch manche Köpfe. Dadurch waren wohl einige Spieler gehemmt oder spielten zu nachlässig.

Allgemein hat die Mannschaft besonders in der Defensive ihre Defizite. Man spielt zu selten zu Null und bekommt viel zu viele Gegentore. Hier müssen wir besonders intensiv arbeiten, um das abzustellen.

Lunge: Kann die anfänglich von Timo Katzenberger eingeführte Viererkette ein Grund dafür sein, dass die Hintermannschaft des SCM in der Hinrunde so instabil und anfällig war?

Walter: Jeder Trainer möchte eine Mannschaft weiter bringen und sein System installieren. Ich denke, dass hier einfach die Vorkenntnisse für eine stabile Viererkette nicht gegeben waren und die Spieler diese deshalb nicht effektiv in die Tat umsetzen konnten.

Lunge: Wie man hört ist die Euphorie auf die Rückrunde bereits riesengroß. Der im Gegensatz zur Vorsaison ohnehin stark verbreiterte Kader wurde noch einmal um einen weiteren Spieler aufgestockt. Marvin Funk wechselt von Hohenfeld zum SC Mainsondheim. Der Konkurrenzkampf steigt somit weiter. Wie kann dich ein Spieler in der Vorbereitung überzeugen, dass er der Mannschaft helfen will und dass er in die erste Mannschaft gehört / Worauf legst du besonderes Augenmerk?

Walter: Leider waren die organisierten Spinning- Einheiten nicht so gut besucht, wie ich mir das gewünscht hätte, aber am Mittwoch geht die Vorbereitung dann auch unter freiem Himmel wieder los.

Die Spieler, die in die erste Mannschaft und in die Startformation wollen, müssen sich aufdrängen, viel trainieren und mir zeigen, dass sie helfen können. Wer mitzieht, der wird von mir sicherlich nicht unbeachtet gelassen.

Zu Marvin Funk kann ich sagen, dass ich ihn auch aus Hohenfeld schon kenne. Er bringt viele Anlagen mit, um uns in der ersten Mannschaft weiterhelfen zu können. Auch er muss sich aber aufdrängen, genau wie alle anderen.

Lunge: Noch hält der SCM die rote Laterne in der Hand, doch wo steht deiner Einschätzung nach die Mannschaft nach dem 28. Spieltag?

Walter: Ein Blick auf die Tabelle macht eines ganz deutlich: Alle sitzen eng zusammen im Keller und auch manche einstelligen Tabellenplätzen sind noch keiner am rettenden Ufer. Die Liga ist sehr ausgeglichen und es wird bis zum letzten Spieltag sehr eng werden. Spiele wie das 7:0 dürfen wir uns nie mehr erlauben, das war kampflos und die Mannschaft hat sich ergeben. So können wir die Klasse nicht halten.

Nichts desto trotz kann ich aus den letzten Spielen sagen, dass die Jungs den Klassenerhalt packen können, wenn sie weiter hart arbeiten und mitziehen. Da geht es nicht um Einzelschicksale sondern um das gemeinsame Ziel. Wenn wir nach der Vorbereitung gut in Tritt kommen und sich Erfolge einstellen, kann der SCM noch auf einem einstelligen Tabellenplatz landen.

Lunge: Der S04 hat es vorgemacht, wie man in die Rückrunde starten kann. Die blau-weißen sind bekanntlich deine große Fußballliebe, doch mal ehrlich: Meister werdet ihr doch wieder nicht oder?

Walter (lacht): Hier sehe ich eine gute Parallele zwischen meinen Schalkern und dem SCM. Beide haben eine gute Offensive und schießen viele Tore, aber die Defizite in der Defensive sind unabdingbar. Ein Fußballphilosoph sagte einst: Spiele gewinnt man mit einer starken Offensive, doch die Meisterschaft gewinnt man mit einer starken Defensive.

Ich denke, die Schalker werden wieder nicht Meister. Dennoch kann man mit Platz drei oder vier durchaus zufrieden sein.

Danke Coach :-)

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